Phyllis Bird’s important article on the Old
Testament’s contributions to Christian ethical discussion of homosexuality
argues that anti-homosex OT texts are based on an unacceptable worldview, given
their disinterest in affective bonds and attention to male honor. This essay
points to major problems with Bird’s article. First, Bird fails to distinguish
between affective bonds, in which the OT shows a limited interest, and
structural prerequisites for sexual activity. Second, Bird misconstrues the
story of Sodom as indicting only coercive male-male intercourse by neglecting
Gen 9,20–27 and Ez 16,49–50, failing to connect Jdc 19,22–25 and the
Der wichtige Artikel von Phyllis Bird über den Beitrag des AT zur christlichen ethischen Diskussion über Homosexualität argumentiert, dass antihomosexuelle atl. Texte auf einer nicht mehr akzeptierbaren Weltsicht beruhen, die sich im fehlendem Interesse an gefühlsmäßigen Beziehungen und in der besonderen Betonung männlicher Ehre zeige. Die vorliegende Studie weist auf folgende Probleme hin, die mit Birds Argumentation verbunden sind: Erstens unterscheidet Bird nicht zwischen gefühlsmäßigen Bindungen, an denen das AT ein begrenztes Interesse zeigt, und strukturellen Vorbedingungen für sexuelle Aktivität. Zweitens missinterpretiert Bird die Sodomerzählung als Anklage ausschließlich gegen erzwungenen Verkehr zwischen Männern. Dabei übersieht sie Gen 9,20–27 und Ez 16,49–50, unterlässt es Jdc 19,22–25 und die Kedeschen-Texte zu verbinden und unterschätzt die Wirkung der Einführung von Variabeln wie Zustimmung und Ebenbürtigkeit. Drittens scheitert Birds Versuch, die levitischen Verbote als nicht rational und vorethisch abzulehnen, weil sie Lev 18 und 20 als rituelle Reinheitsgesetze missdeutet, unsinnigerweise eine Bestrafung von genötigten Teilnehmern annehmen muss und übersieht, dass Lev 18 und 20 ein größeres Gewicht auf von der Natur her abgeleitete strukturelle Argumente legt als auf ungezügelte männliche Dominanz. Viertens stellt Bird Gen 1,27 und 2,21–24 ungenau dar, wenn sie annimmt, dass beide Stellen keine ablehnenden Implikationen für gleichgeschlechtliche Beziehungen besitzen. Fünftens übersieht Birds Verwendung der Weisheitstradition die vielen Gegebenheiten, die in dieser Tradition gegen ihre Position sprechen. Sechstens schreibt Birds Interpretation – obwohl sie das Gegenteil behauptet – der Schrift keine entscheidende Autorität zu.
L’important article de Phillys
Bird sur la contribution de l’A.T. à la discussion de l’éthique chrétienne sur
l’homosexualité soutient que les textes anti-homosexuels de l’A.T. reposent sur
une conception qui n’est plus acceptable tant elle néglige les relations
d’affection et insiste trop sur l’honneur masculin. La présente étude vise à
pointer les problèmes suivants, directement liés à l’argumentation de Ph. Bird:
(1) elle n’opère pas de distinctions entre les sentiments d’affection, aux quels
l’A.T. n’accorde certes qu’ intérêt limité, et les conditions structurelles
requises pour une activité sexuelle; (2) elle interprète à tort le récit de
Sodome comme une accusation dirigée exclusivement contre des hommes en situation
d’activité sexuelle par contrainte. Elle méconnaît ainsi les textes de Gen 9,
20–27 et Ez 16, 49–50, omet de relier Jdc 19, 22–25 aux textes des
Print ISSN: 0044-2526
Volume: 117, 09/2005
Pages: 367 - 394