Formal ist das Symposion des Methodios von Olympos ein Flickwerk, dessen Gestalt hauptsächlich auf dem Symposion Platons beruht. Sein Autor hat zwar Platon sehr viele Worte, Redensarten und Motive unmittelbar entnommen, aber er verrät in vielen Punkten seine Unkenntnis der echten Symposionkonventionen. Wenn man die platonische und methodianische Behandlung der sympotischen literarischen Gattung vergleicht, sieht man, daß diese Gattung zu Inhalt und Personen des Dialogs des Methodios nicht paßte, und daß es diesem Autor mißlang, die Entwicklung seiner theologisch-philosophischen Begriffe zu dem sympotischen Hintergrund in Beziehung zu setzen. Aus diesem Grund (und auch aus anderen Gründen) ist das Stück dramatisch und künstlerisch gänzlich erfolglos. Vielleicht durch seine Polemik gegen die Neoplatoniker, durch sein Interesse für die platonische Lehren (besonders über den ?ρως) und durch seine tiefe Liebe zu platonischer Sprache und Stil ist Methodios bewogen worden, die sympotische literarische Gattung anzunehmen.
Print ISSN: 0949-9571
Volume: 9, 05/2006
Pages: 279 - 302