In der umfangreichen Literatur, die die in Mt 2,23 überlieferte Prophezeiung zu deuten versucht, wurde eine wichtige Information bei Hieronymus übersehen. Statt Jesus einen Nazarener (d.i. eine Person aus Nazareth) zu nennen, bezeichnet Hieronymus ihn an verschiedenen Stellen als einen Nasiräer, und zwar mit der Begründung, daß dies das Wort war, was von Matthäus in seinem ursprünglich hebräischen Evangelium benutzt wurde. Dieser Zusammenhang hat wichtige Folgen für die Qualität und den Charakter seiner Belege für ein solches hebräisches Matthäusevangelium. Hieronymus unternahm erhebliche Anstrengungen, um zu nachzuweisen, daß einige Prophezeiungen zeigen, daß Jesus tatsächlich ein Nasiräer gewesen sei. Er versuchte dabei, „Nasiräer“ so auf „Nazareth“ zu beziehen, daß Mt 2,23 einen Sinn ergibt. Er beschreibt auch die Menschen, die ihm zuerst den Text eines hebräischen Matthäusevangeliums zeigten, mehr als Nasiräer denn als Nazarener.
Print ISSN: 0949-9571
Volume: 9, 05/2006
Pages: 320 - 366