Science.Online
Publisher and Institutes
Akademie Verlag
Deutsches Institut für Urbanistik
Oldenbourg Wissenschaftsverlag
Walter de Gruyter
Schattauer
You are here: Home :: Area CULI :: Religious studies
 
Dirk-Martin Grube

Luthers reformatorischer Durchbruch. Zur Auseinandersetzung mit Oswald Bayers Promissio-Verständnis

Zusammenfassung

In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf Bayers Interpretation von Luthers Rechtfertigungsverständnis als promissio. In Teil I skizziere ich Bayers zentralen Gedanken, dass dieser Begriff als performativer Sprechakt in Austins Sinne verstanden werden muss, d.h. als ein Akt, der durch seinen Vollzug neue ⟩Tatsachen⟨ konstituiert und nicht nur schon existierende Tatsachen registriert. Die Worte der Absolution registrieren nicht, dass der Sünder gerechtfertigt ist, sondern vollziehen die Rechtfertigung, wenn sie im richtigen Kontext gesprochen werden.

In Teil II beurteile ich die Konsequenzen dieser Interpretation der Rechtfertigung. Einerseits schlage ich vor, dass Bayers Interpretation die Aspekte des Rechtfertigungsverständnisses zum Ausdruck bringt, die für das Luthertum charakteristisch sind und verteidigt werden sollten. Andererseits jedoch kritisiere ich Bayers Behauptung, dass dieses Verständnis der Rechtfertigung als promissio alle Versuche unterminiert, theologische Aussagen zu verifizieren. Ich fasse diese Spannung zwischen der religiösen, pro-lutherischen Perspektive und der philosophischen, Luther-kritischen Perspektive in einem Dialog zwischen dem lutherischen Herzen und dem philosophischen Verstand zusammen.

In Teil III stelle ich dar, dass diese Spannung zwischen dem lutherischen Herzen und dem philosophischen Verstand nicht leicht aufzulösen ist, da beide auf ihre Weise wertvoll sind. Trotzdem mache ich in der Konklusion zwei vorsichtige Vorschläge: Der erste besteht darin, dass der Gedanke der ⟩Verifikation⟨ in einer im weitesten Sinne pragmatischen Form rekonstruiert werden sollte, um aus lutherischer Perspektive akzeptabel zu sein. Der zweite Vorschlag besteht darin, den nicht-relationalen Hintergrund, der vorausgesetzt ist, wenn Rechtfertigung relational interpretiert wird (wie es bei der Interpretation als promissio der Fall ist), als ein ⟩Vorurteil⟨ im Sinne Gadamers zu verstehen, d.h. als in jedem Akt des Verstehens vorausgesetzt und doch jederzeit revidierbar.

Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie, Walter de Gruyter

Print ISSN: 0028-3517
Volume: 48, 07/2006
Pages: 33 - 50

Show full article (external site)

Show all available items of this journal