In diesem Artikel steht das zentrale hermeneutische Problem christlicher Erwachsenenbildung in einer praktisch-theologischen Perspektive im Mittelpunkt: Wie kann zwischen der christlichen Tradition und gegenwärtigen menschlichen Erfahrungen in einer pluralistischen Situation vermittelt werden? Anhand der Analyse Peter Bergers, in der es um den Zustand der Religion in einer pluralistischen Gesellschaft geht, wird der Kontext gegenwärtiger christlicher Erwachsenenbildung beschrieben. Im Sinne der Unterscheidung Bergers zwischen deduktiven und induktiven Strategien bei der Übertragung einer religiösen Tradition in einem solchen Kontext wird Autorität entweder der Tradition oder der gegenwärtigen Erfahrung zugewiesen. Vor dem Hintergrund dieser Einsicht werden die hermeneutischen Ansätze von David Tracy, Edward Schillebeeckx und Claude Geffré herangezogen, um eine dritte mögliche Strategie der gegenseitigen kritischen Korrelation zwischen der christlichen Tradition und der gegenwärtigen Situation zu formulieren. Auf Basis dieser drei Strategien werden verschiedene pädagogische Ansätze zur Identitätsbildung in der christlichen Erwachsenenbildung pointiert. Diese Ansätze korrespondieren mit dem methodologischen Konzept von Lehrkräften in der christlichen Erwachsenenbildung, wie er sich in unterschiedlichen Instruktionsmodellen dokumentiert. Empirische Forschung zeigt, dass die Lehrkräfte in den Niederlanden ein vermittelndes Instruktionsmodell bevorzugen. Dieses bietet sowohl Raum für die Erfahrung und den Beitrag der Partizipanten als auch für die Expertise der Lehrkraft in der relevanten Tradition.
Print ISSN: 1430-6921
Volume: 10, 03/2007
Pages: 275 - 297