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Dieter Zeller

Gibt es religionsgeschichtliche Parallelen zur Taufe für die Toten (1Kor 15,29)?

Zunächst einmal muss gegen alle Versuche, die Stelle »dogmatisch korrekt« zu deuten, festgehalten werden, dass Paulus hier in Korinth einen Brauch voraussetzt, sich an Stelle von offenbar ungetauft Verstorbenen selber noch einmal taufen zu lassen, um die Wirkung der Taufe nachträglich für die Toten zu erreichen. Das hat hier also einmal die Bedeutung »an Stelle von«. Damit ist ausgeschlossen, dass Korinther ihrer eigenen Taufe eine sekundäre Intention beilegten. Das ist schon von den im Neuen Testament sonst ungebräuchlichen Präsensformen her unwahrscheinlich, die keinen einmaligen, sondern einen grundsätzlich wiederholbaren Akt bezeichnen. Das bedeutet aber auch »zugunsten von«. Somit wollten die Korinther etwas für das Schicksal der Verstorbenen bewirken und nicht nur an ihrer Stelle ein Bekenntnis zur Auferstehung ablegen. Es handelt sich bei den in V.29a um von den Täuflingen verschiedene leiblich Tote wie in V.29b auch. Ob sie bereits zum Christusglauben gekommen waren, wie manche Kommentatoren es gerne hätten, lässt sich nicht sagen.

Zeitschrift für die Neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der Älteren Kirche, Walter de Gruyter

Print ISSN: 0044-2615
Volume: 98, 01/2007
Pages: 68 - 76

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