Bereits im vierten Jahrhundert wurde Bardaisan von Ephräm dem Syrer als „der aramäische Philosoph“ gekennzeichnet, ein Urteil, dem sich auch moderne Forscher angeschlossen haben. Dieser Aufsatz wirft die Frage auf, ob eine solche Charakterisierung angemessen sei. Die Autorin zeigt anhand ausgewählter Beispiele (Ausbildung und Selbstverständnis, Lehre von der Auferstehung der Seele, Ethik und Eigenart von Bardaisan, Schule als Kommunität), daß Bardaisan sich selbst als Theologe und Christ verstanden hat und daß er – wie etliche seiner christlichen Zeitgenossen – versuchte, seinen Glauben auf intellektuell akzeptable Weise darzustellen. Dabei griff Bardaisan zwar auf philosophische Denkkategorien zurück, doch war sein Bemühen in erster Linie ein theologisches.
Print ISSN: 0949-9571
Volume: 10, 06/2007
Pages: 442 - 461