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Sven Bernecker

Kant zur moralischen Selbsterkenntnis

Der intentionalistischen Ethik oder Gesinnungsethik zufolge ist das, was an einer Handlung moralisch beurteilt wird, die Handlungsabsicht oder Intention. Der bedeutendste Vertreter des ethischen Intentionalismus, Immanuel Kant, spricht freilich nicht von „Absichten“ sondern von „Maximen“. Dem hier zugrundegelegten Verständnis zufolge sind Maximen weder Handlungsmotive noch Handlungsstrukturen, sondern Handlungsabsichten. Jedoch ist nicht jede beliebige Absicht eine Maxime. Eine Maxime zu haben, heißt für Kant, sich bewußt entschlossen zu haben, so-und-so zu handeln. Handeln nach Maximen ist regelgeleitetes Verhalten. Der Begriff der Maxime bezieht sich nur auf okkurente (nicht auf dispositionale) Absichten. Und schließlich sind Maximen solche Absichten, die nicht auf eine singulare Verwirklichung abzielen, sondern für einen ganzen Lebensbereich das leitende Handlungsprinzip aufstellen.

Kant-Studien, Walter de Gruyter

Print ISSN: 0022-8877
Volume: 97, 06/2006
Pages: 163 - 183

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