Nachdem es gelungen ist, die Übertragung von Viren durch Bluttransfusion eindrucksvoll zu reduzieren, stehen transfusionsbedingte bakterielle Infektionen im Vordergrund des Interesses. Aktuell richtet sich das Augenmerk auf Thrombozyten-Konzentrate, weil sie unter Temperaturbedingungen gelagert werden, welche das Wachstum kontaminierender Bakterien bis 1010 und mehr Mikroorganismen pro Thrombozytenbeutel erlauben. Die vorliegende Arbeit geht nicht auf die Pathogen-Inaktivierungsmethoden ein, sondern bewertet sinnvolle Screeningmethoden. Neben konventionellen mikrobiologischen Verfahren und Surrogatmarkern stehen heute auf dem Markt einige effektive Methoden zum Nachweis bakterieller Kontamination in Thrombozyten-Konzentraten zur Verfügung. Diese können in zwei methodische Prinzipien unterteilt werden: Die Inkubationsmethoden und die Schnellmethoden. Inkubations- oder Kultivierungsmethoden benötigen einige Zeit für die Erzeugung ihres Signals, weil sie vom Wachstum der Mikroorganismen abhängig sind. Deshalb müssen sie mit einer frühen Probenentnahme kombiniert werden, d.h. die Untersuchungsprobe wird einen Tag nach der Spende der Blutkomponente entnommen. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie relativ unkompliziert in die Logistik transfusionsmedizinischer Einrichtungen integriert werden können. Aufgrund der initial geringen Bakterienzahl nach einer Spende verbleibt ein gewisser Probenfehler beim Einsatz dieser Strategie. Schnellmethoden ermöglichen eine Diagnose in kurzer Zeit. Deshalb erlauben sie die Verschiebung der Probenentnahme, idealerweise auf einen Zeitpunkt unmittelbar vor der Transfusion. Sie führen jedoch zu logistischen Problemen. Andererseits kann die Kombination von später Probenentnahme mit einer Schnellmethode die Transfusion hochkontaminierter Thrombozyten-Konzentrate, welche in der Regel zum akuten septischen Schock bis hin zum Tod des Patienten führen, verhindern. Berücksichtigt man sämtliche Aspekte, darf von beiden Strategien ein vergleichbarer Sicherheitsgewinn erwartet werden.
Print ISSN: 0025-8466
Volume: 30, 05/2006
Pages: 60 - 65