Julia Walochnik, Horst Aspöck
Die Diagnostik von Infektionen mit freilebenden Amöben (FLA) Diagnostics of Infections with free-living amoebae (FLA)
Zusammenfassung
Die Bezeichnung “Freilebende Amöben” (FLA) wurde ursprünglich etabliert, um diese Amöben von den parasitischen Entamöben abzutrennen. Es zeigte sich aber, dass auch einige Vertreter der FLA als Krankheitserreger beim Menschen auftreten können. Amöben der Gattung Acanthamoeba sind die Erreger der Acanthamoeba-Keratitis (AK), einer hauptsächlich bei Kontaktlinsenträgern auftretenden Entzündung der Hornhaut des Auges. Außerdem können sie, ebenso wie Balamuthia mandrillaris, vor allem bei Immunsupprimierten, Hautläsionen, Pneumonie und die Granulomatöse Amöbenenzephalitis (GAE) hervorrufen. Die zur Geißelbildung befähigte Naegleria fowleri schließlich ist der Erreger der Primären Amöbenmeningoenzephalitits (PAME).
Während für die Diagnostik der AK zumeist ein mikroskopischer Nachweis mit anschließender Kultur ausreichend ist, sollte bei Infektionen des ZNS – wie grundsätzlich bei systemischen Infektionen – ein molekularbiologischer Nachweis angestrebt werden; hierzu stehen verschiedene PCR-Protokolle und für Infektionen mit N. fowleri zusätzlich ein kommerziell erhältlicher Antigen-Nachweis zur Verfügung. Serologische Tests sind zum Nachweis einer Acanthamoeba-Infektion nahezu ohne diagnostischen Wert, da aufgrund der Ubiquität der FLA nahezu 100% der Normalbevölkerung Antikörper haben. Bei der foudroyant verlaufenden PAME sind serologische Tests vollkommen unbrauchbar, weil wegen der kurzen Inkubationszeit zum Zeitpunkt der akuten Erkrankung (noch) keine Antikörper nachweisbar sind.
LaboratoriumsMedizin, Walter de Gruyter
Print ISSN: 0025-8466
Volume: 29, 12/2005
Pages: 446 - 456
Show full article (external site)
Show all available items of this journal