Ken Far
Plurizentrismus des Deutschen – programmatisch und kodifiziert, Zu: Variantenwörterbuch des Deutschen, Ulrich Ammon u.a., Berlin/New-York 2004
0. Einleitung
Nur selten erscheinen Wörterbücher, die sowohl Werkzeuge als auch Manifeste sein wollen. Im Regelfall sind sie nur Werkzeuge und manchmal nicht einmal das. Für die germanistische Linguistik ist 2004 ein Wörterbuch erschienen, das zu den wichtigsten des Jahrzehnts, ja vielleicht des Jahrhunderts gehört, und das in der Tat sowohl Werkzeug als auch Programm ist: das Variantenwörterbuch des Deutschen (VWD). Dabei trügt der Titel: Es handelt sich keineswegs blo&bgr; um ein Wörterbuch über Varianten der deutschen Lexik. Wäre es nur das gewesen, hätte es nicht die Bedeutung, die ihm tatsächlich zukommt. Das Wörterbuch stellt nämlich den Gipfelpunkt einer Entwicklung innerhalb der germanistischen Linguistik dar, die vor ein paar Jahrzehnten angefangen hat und mit dem VWD zwar nicht abgeschlossen ist, mit ihm aber vielleicht einen möglichen Katalysator für eine qualitativ neue Phase dieser Entwicklung gefunden hat. Die Entwicklung kann als die Bewusstwerdung der Plurizentrik des Deutschen bezeichnet werden. In diesem Kommentar werden der Begriff Plurizentrismus, dessen mögliche Relevanz für die Auslandsgermanistik, das Internet als Quelle für die (Varietäten-)Linguistik sowie das Wörterbuch selbst diskutiert. Dabei wird generell nur auf die drei Vollzentren (Ammon 1995) des Deutschen eingegangen.
Zeitschrift für Germanistische Linguistik, Walter de Gruyter
Print ISSN: 0301-3294
Volume: 33, 06/2006
Pages: 380 - 395
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