Stefan Dietrich
Vom Wunschdenken verleitet: Neuwahlentscheidung und politische Realität
Nein, das Wahlergebnis wird man dem Bundespräsidenten
nun nicht in die Schuhe schieben können. Dafür sind die Wähler schon ganz allein
verantwortlich. Als sich die Bescherung am Wahlabend auf den Balkendiagrammen
der Hochrechnungen abzeichnete, könnten Horst Köhler aber schon Zweifel
beschlichen haben, ob es klug war, bei dieser Sturzgeburt einer Neuwahl
Hebammendienste zu leisten. Auch den noch am selben Abend ausgebrochenen Streit
über das Anrecht auf die nächste Kanzlerkandidatur wird man dem
Bundespräsidenten nicht anhängen können. Den haben Gerhard Schröder und
Franz Müntefering mutwillig vom Zaun gebrochen. An dieser
Auseinandersetzung wird Köhler zwar noch einmal mitwirken müssen, wenn
er dem Bundestag seinen Vorschlag für die Kanzlerwahl unterbreitet, doch alles
weitere liegt dann schon ganz in den Händen derer, die mit diesem Wahlergebnis
regieren müssen.
Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften, Walter de Gruyter
Print ISSN: 1610-7780
Volume: 3, 11/2005
Pages: 339 - 343
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