Nachdem in der politikwissenschaftlichen Integrationsforschung traditionell die Perspektive der Internationalen Beziehungen dominierte, hat sich der analytische Fokus in den vergangenen Jahren in Richtung der Vergleichenden Regierungslehre verschoben. Die klassische Frage nach der typologischen Einordnung der institutionellen Ordnung der EU findet jedoch kaum Interesse, weil die Unterschiede zu national verfassten Regierungssystemen als zu erheblich gelten. Ein Vergleich des EU-Regierungssystems mit parlamentarischen, präsidentiellen und semi-präsidentiellen Systemtypen offenbart strukturelle Ähnlichkeiten, aber auch deutliche Abweichungen, die im Wesentlichen auf den nicht-staatlichen Charakter der EU zurückzuführen sind. Es wird argumentiert, dass mit dem „intergouvernementalen Semi-Präsidentialismus“ eine typologische Alternative zur Verfügung steht, die auf die starke Verwandtschaft mit semi-präsdientiellen Systemen verweist und zugleich die intergouvernementale Seite der EU reflektiert.
Print ISSN: 1610-7780
Volume: 3, 04/2005
Pages: 7 - 33