In Kriminalpolitik, Strafrechtswissenschaft und Medienöffentlichkeit besteht weitgehend Übereinstimmung darin, dass der durch ein Delikt Verletzte in den letzten beiden Jahrzehnten nach einer Zeit übersteigerter Täterorientierung vom Rande der Beachtung zur Mitte gerückt sei und dass er darauf Anspruch habe. Nach beträchtlichen Rechtsänderungen wird diese Sicht oft mit der Forderung nach weiteren Reformen verbunden. Die nachfolgende Untersuchung befasst sich mit den dabei verwendeten Argumenten mit dem Ziel, Faktisches oder mutmaßlich Faktisches von Rechtlichem, Ideologischem, Moralischem und Metaphysischem – und gelegentlich einfach von dunklem Geschwätz – zu trennen und so zu einer Klärung beizutragen. Obwohl der behandelte Gegenstand vielfach emotional besetzt ist und der Autor sich davon nicht ausgenommen sieht, wirbt die vorliegende Untersuchung doch für konsequente Rationalität. Diese setzt voraus, dass die einschlägigen emotionalen Haltungen aufgedeckt und bewusst gemacht werden. Die Beurteilungen des geltenden Rechts und der Reformvorstellungen sind auf dieser Grundlage zu sehen.
Print ISSN: 0022-6920
Volume: 2005, 05/2005
Pages: 181 - 187