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Jochen Bung

Nietzsche über Strafe

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Nietzsche ist leicht und schwer zugleich, und zwar aus ungefähr demselben Grund. Die fragmentarische, aphoristische Gestalt des Werks macht eine systematische Arbeit ohne Stichwortverzeichnis nahezu unmöglich. Über einen solchen Index kann man sich aber auch in schnellem Zugriff auf die thematisch relevanten Passagen ohne weiteres diejenigen Stellen heraussortieren, die einem gerade ins Konzept passen. Nietzsche hat sich zu vielen Themen geäußert und zu fast jedem Thema sehr widersprüchliche Auskünfte gegeben. Die Konsistenz einer Gedankenfolge über längere Passagen zu pflegen, war ihm jedenfalls keine Herzensangelegenheit. Radikale Kritik am Wahrheitsanspruch führte ihn zum Perspektivismus. Dabei liegt der performative Widerspruch dieser Haltung derart auf der Hand, dass man es allein schon deswegen unterlässt, ihn als Einwand geltend zu machen. Die bemerkenswerte Kreativität und Sprunghaftigkeit seines Denkens hat dazu geführt, dass Nietzsche unter dem nicht immer schmeichelhaften Prädikat des „originellen” Philosophen rubriziert wird. Unnötigerweise sind die Argumentationen zudem häufig durchzogen von teilweise schwer erträglichen Selbststilisierungen.

Zeitschrift für die Gesamte Strafrechtswissenschaft, Walter de Gruyter

Print ISSN: 0084-5310
Volume: 119, 05/2007
Pages: 120 - 136

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