Die erste Enzyklika des „deutschen“ Papstes Benedikt XVI. beginnt mit einer ausführlichen, für höchstlehramtliche Texte ungewöhnlich wohlwollenden Würdigung des „menschlichen Eros“, der nicht einfach gegen die „christliche Agape“ ausgespielt werden dürfe. Das Rundschreiben wendet sich aber nicht primär „an die Welt“, sondern an das Selbstverständnis der katholischen Wohlfahrtsverbände. Im Hinblick auf die aktuelle Lage des deutschen Katholizismus lässt sich die Enzyklika vor allem auf zwei Problemstellungen beziehen: die Diskussion, ob sich die Kirchen in Zeiten knapper Kassen aus dem breiten Feld der sozialen Dienstleistungen zurückziehen und auf „rein religiöse“ Aufgaben konzentrieren sollten, sowie die Frage, inwiefern die Angestellten katholischer Wohlfahrtsverbände neben ihrer beruflichen Kompetenz auch über eine klare kirchliche Identität verfügen müssen. Während die Enzyklika zu diesen Fragen wertvolle Orientierungen beinhaltet, spart sie die Analyse struktureller Ursachen der Krise im Bereich sozialer Dienstleistungen vollständig aus und bleibt deshalb sozialethisch unbefriedigend.
Print ISSN: 1610-7780
Volume: 4, 08/2006
Pages: 269 - 283