Aus liberalprotestantischer Perspektive und vor dem Hintergrund komplexer Traditionsbildungsprozesse wird der genuin katholische Charakter der Enzyklika „Deus caritas est“ herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf Elemente der Kontinuität, die programmatische Positionen des Systematischen Theologen Joseph Ratzinger mit zentralen Anliegen des ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation und Leitgedanken der ersten Enzyklika Benedikts XVI. verbinden. Kritische Aufmerksamkeit gilt vor allem dem konturschwachen Gerechtigkeitsbegriff und den unklaren Bestimmungen des Verhältnisses von Staat und Kirche sowie Politik und Glaube. Bei aller Würdigung der genrespezifischen Grenzen des Textes muss schließlich gefragt werden, ob die ihn prägende erkennbar geringe Sensibilität für konkrete Problemlagen auf konkurrenzbestimmten Sozialmärkten nicht eher desorientierend auf die Neuausrichtung kirchlich organisierter Caritas wirken wird.
Print ISSN: 1610-7780
Volume: 4, 08/2006
Pages: 284 - 300