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Florian Grotz

Jenseits von Integrationsstudien und disziplinärer Neugründung: Ansätze zu einer europawissenschaftlich erweiterten Regierungslehre

Die materielle wie territoriale Erweiterung des acquis communautaire hat nicht nur den Umfang der EU-bezogenen Literatur anschwellen lassen, sondern auch dazu geführt, dass etablierte Grenzziehungen innerhalb wie zwischen den beteiligten Wissenschaften zunehmend hinterfragt werden. Im Gegensatz zu neueren Diskussionsbeiträgen, die die Unabdingbarkeit interdisziplinärer „Europa-Studien“ betonen oder gar die Gründung einer disziplinenübergreifenden „Europawissenschaft“ anregen, verweisen die folgenden Ausführungen am Beispiel der politikwissenschaftlichen Regierungslehre auf das Erfordernis, die EU-Forschung an die bestehenden (Teil-)Disziplinen rückzubinden. So wird zunächst verdeutlicht, dass die Vergleichende Regierungslehre im Zeitalter der „postnationalen Konstellation“ keineswegs obsolet ist, sondern einen leistungsfähigen Orientierungsrahmen für kumulativ ausgerichtete Politikforschung bieten kann – sofern sie ihre Perspektive konsequent um die europäische Dimension erweitert. Vor diesem Hintergrund werden dann ausgewählte Elemente einer „europawissenschaftlichen Komparatistik“ vorgestellt, die EU-bezogene Analysen mit institutionellen, prozessualen bzw. inhaltlichen Schlüsselfeldern der politischen Systemforschung verbinden. Eine solche „Europäisierung“ der Vergleichenden Regierungslehre könnte nicht zuletzt die interdisziplinäre Kooperation zwischen den unterschiedlichen Europawissenschaften verbessern.

The European Union's deepening and widening has not only multiplied the amount of relevant literature, but also led to an increasing re-examination of traditional dividing lines both within and between the disciplines concerned. In contrast to recent discussions focussing on the necessity of interdisciplinary “European Studies” or even the foundation of a single “Europawissenschaft”, the following contribution stresses the need to realign EU-related research with established (sub-)disciplines. First, it is argued that the basic approach of Comparative Government will not become obsolete in a seemingly “post-national” era, but will continue to provide an efficient framework for cumulative political research – provided that it is systematically complemented with the European dimension. On this basis, selected elements of a “Europeanised” Comparative Government are being outlined, linking EU-related analyses with research on the polity, politics and policies of national governmental systems. This way, the interdisciplinary co-operation between the different “Europawissenschaften” could be fostered as well.

Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften, Walter de Gruyter

Print ISSN: 1610-7780
Volume: 4, 12/2006
Pages: 420 - 443

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