Der Sport stellt in der Bundesrepublik ein gesellschaftlich wichtiges Aktionsfeld dar. Er symbolisiert prägnant formuliert ein Massenphänomen innerhalb einer Sportweltmacht. Diese Tatsache hat die Industrie für sich erkannt und investiert erhebliche Summen in die Werbung im sportlichen Sektor. Das Werbemarktaufkommen im Jahre 2002 betrug etwa 14,9 Milliarden Euro. Von dieser Summe entfielen circa 50 Prozent auf das Sportsponsoring. Hierbei wurden mannigfaltige Betätigungsfelder erschlossen, wie etwa die Bandenwerbung, die Namensgebung für eine Veranstaltung oder eine ganze Sportliga, Eintrittskartenwerbung oder Trikotwerbung. Die Unternehmer bemühen sich als Werbepartner auftreten zu können, da Umfragen zu dem Ergebnis gekommen sind, dass im Sportsektor circa 49 Prozent der Befragten diejenigen Produkte und Unternehmen beachten würden, die sich im Sport engagieren. Daher geht die Wirtschaft mit Einzelsportlern genauso Werbekontrakte ein, wie mit ganzen Teams oder gar Verbänden. Man erhofft sich damit die Verbesserung des eigenen Image und die Steigerung des Bekanntheitsgrades. Auf der anderen Seite bietet der Sport mit dem Doping eine beachtliche, wie zugleich negative Erscheinung. Vor allen Dingen im Bereich des Hochleistungssports avancierte die Dopingproblematik in den letzten Jahren zu einer beherrschenden Thematik. Allein bei den Olympischen Spielen in Athen wurden 23 Athleten positiv getestet. Doping ist damit zu einem flächendeckenden und immer massiver und systematischer betriebenen Problem geworden, durch die die Sponsoren der dopenden Sportler in Misskredit geraten könnten und damit das primäre Ziel der Imageverbesserung gerade nicht erreichen. Geradezu alarmierend ist zudem die Schätzung, dass weit über 100 Sportler bei dem Versuch der Verbesserung der individuellen Leistungssteigerung eines Dopingtodes verstorben sind. Die Gefahr des Dopings besteht umso mehr, als dass das Doping nunmehr bereits bei sehr jungen Sportlern praktiziert wird. Das Grundverständnis von Fairness und Chancengleichheit, auf das die Glaubwürdigkeit des Spitzensports basiert, ist folglich mehr als nur gefährdet. So verwundert es nicht, dass ein überführter Dopingsünder bei der Olympiade in Athen 2004 schon fast rechtfertigend äußert: »Ich wollte es nicht versuchen, um Medaillen oder Geld zu gewinnen. Ich wollte nur die gleichen Chancen haben wie alle anderen auch.« Die Fragestellung, die sich für die als Sponsoren tätigen Unternehmen auftritt, ist die, ob sie sich von den Werbeverträgen durch eine Kündigung, die sich auf den Missbrauch des Dopings bezieht, lösen können.
Print ISSN: 0022-6920
Volume: 2005, 07/2005
Pages: 271 - 274