Die informale Dimension politischer Willensbildung und Entscheidung wurde in den vergangenen Jahren von unterschiedlichen staats- und europawissenschaftlichen Disziplinen diskutiert. Nach einem Überblick über einschlägige Untersuchungsansätze werden die jüngeren Veränderungen auf der Ebene informalen Regierungshandelns in der Bundesrepublik Deutschland aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive behandelt. Besondere Aufmerksamkeit gilt jenen Bereichen, in denen es im Vergleich der Regierungen Kohl und Schröder zu signifikanten Veränderungen gekommen ist: dem Verhältnis zwischen Regierung und parlamentarischer Mehrheit einerseits und jenem zwischen der Regierung und privaten Akteuren andererseits. In Abgrenzung zu einer Reihe anderer Zugänge werden die empirischen Befunde im Rahmen dieses Beitrags aus einer Perspektive bewertet, die normative und funktionale Aspekte als komplementäre Dimensionen der Informalisierung begreift.
Print ISSN: 1610-7780
Volume: 3, 04/2005
Pages: 70 - 96