Analysen zur sozialen Gliederung stellen einen wesentlichen Aspekt der archäologischen Forschung dar. In der Regel dienen Gräberfelder bzw. Grabinventare als Grundlage für die Herausarbeitung gesellschaftlicher Differenzierungsprozesse. Aber auch Siedlungen bilden eine wichtige Komponente innerhalb dieser komplexen Thematik, spiegeln sie doch unmittelbar die Organisation vor- und frühgeschichtlicher Siedlungsgemeinschaften wider. Nur in seltenen Fällen gelingt es, einen konkreten Bezug zwischen einem Bestattungsplatz und einer Siedlungsstelle herzustellen. Da sich sozialer Status nur bedingt an Grabbeigaben messen läßt, ist eine Verknüpfung beider Befundkategorien jedoch unerläßlich. In Hitzacker-Marwedel, Lkr. Lüchow-Dannenberg, konnte in direkter Nachbarschaft zu den bekannten Prunkgräbern des 2. Jahrhunderts n.Chr. ein ausgedehntes Siedlungsareal durch Feldbegehungen und Luftbilder, geophysikalische Prospektion und erste Grabungen ermittelt werden, das nach Aussage des reichhaltigen Fundmaterials ebenfalls diesem Zeitabschnitt zuzuweisen ist. Ausdehnung, Topographie und eine intensive Eisenverhüttung betonen die Sonderstellung des Platzes im kaiserzeitlichen Besiedlungsumfeld. Es bietet sich damit erstmals die Möglichkeit, die Entstehung und Entwicklung eines oder mehrerer „Herrenhöfe“ der römischen Kaiserzeit und damit die Herausbildung der in den Gräbern vom „Lübsow-Typ“ greifbaren sozialen Elite an einem Fundplatz aufzuzeigen.
Print ISSN: 0079-4848
Volume: 82, 05/2007
Pages: 85 - 113